Nachbarn

Im Rahmen meines Deutschunterrichts werde ich hier unregelmäßig Einträge vornehmen.

Ich möchte Euch zuerst eine kleine Geschichte erzählen, passiert zur Zeit bei uns hier!

Tatort: Ein kleines Dorf!

Es begab sich vor einiger Zeit, als eine etwas reifere Tochter einer Witwe sich endlich auch einen Liebhaber zulegen konnte. Dieser war zwar etwa 15 Jahre älter und geschieden, war aber für die Mutter, die zwar auf diesem Gebiet sehr konservativ war, kein Grund, etwas dagegen zu haben. Sollten doch die Tage, der 40-jährigen Tochter täglich das Frühstück bereiten zu müssen, bald gezählt sein.

Diese Mutter, die mehr als eine Handvoll Kinder großgezogen hatte, sich zeitlebens mit einem eher schwierigen Mann auseinanderzusetzen hatte, konnte ihre Witwenzeit mit einem Witwer verbringen und so ihre Rentenzeit verbringen. Die Tochter begann mit ihrem Freund ein eigenes Haus zu bauen, auf zwei Grundstücken, die sie ihrem Bruder abgerungen hatte. Bei kleinen landwirtschaftlichen Sacherln ist dies zwar nicht grundsätzlich üblich, aber auch nicht außergewöhnlich. Da man aus baulichen Grundsätzen heraus keine Baugehnehmigung erhalten hätte, gab sich die Tochter als Hoferbin aus und erschlich sich somit gegenüber der genehmigenden Behörde die Bauerlaubnis.

Just in dem Augenblick, als die Bauarbeiten begonnen hatten, sorgte die Jahrhundertflut dafür, dass die Baugrube geflutet wurde, und die FFW ehrenamtlich dieses Loch wieder freipumpte. Zwei Wochen später gelang es gerade noch einem Bagger, einen Erdwall aufzuschütten, um einer noch größen Flut Einhalt zu gebieten.

Das Haus entsteht langsam ohne Baufirma. Es hilft ihre Verwandtschaft. Dann erkennt man langsam, dass diese Helfer weniger werden, ihr Bruder, der Hofeigentümer, immer gereizter wird. Es häufen sich Beschwerden über die unerlaubte Benutzung des Maschinen und Fuhrparks und des Werkzeugbestandes. Im Trubel um den ganzen Bau stirbt die Witwe einen Tag nach dem Papst an einem Herzinfarkt. Nach der Beerdigung räumt der Witwer und die Tochter den gesamten Hausrat und ihre Textilien aus und teilen sie untereinander auf. Es seien alles Geschenke gewesen. Zutritt zu den Räumen hatte die Tochter, da ihr ein Wohnrecht bis zum 50. Lebensjahr eingeräumt wurde.

Der Bau schritt nun langsamer voran, da sich ausser dem Witwer keiner mehr bereit fand, mitzuhelfen. Die wenigen Frmen, z.B. Zimmerei , die beauftragt wurden, mussten einen Teil ihrer Forderungen streichen. An bestimmten Gewerken waren mehrere Firmen beteiligt. Die Eigenleistungen wurden ausnahmslos stümperhaft ausgeführt, erforderliche Abdichtungs- und Wärmedämmungsvorschriften nicht ordnungsgemäß ausgeführt.

Um das Haus (liegt an der Straße) herum wurden umfangreiche Auffüllungsarbeiten vorgenommen, um die wiederkehrenden Hochwässer in Schach zu halten. Daneben wurden Straßenentwässerungsgräben, die zum 60 Meter entfernten Bach führen, verfüllt.

Im Jahr 2005 wurde das Haus bezogen, eine Abwasserentsorgung war zum diesem Zeitpunkt noch nicht möglich, da die gemeindliche Entwässerung erst ein Jahr später in Betrieb ging. Eine alternative Entwässerung wurde meines Wissens nicht installiert. So unterblieb auch konsequenterweise die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt. Ein Streit mit der Gemeinde über die Höhe der Anschlussgebühren ist am Laufen.

Die wortreichen Scharmützel zwischen dem Bruder und seiner Schwester, bzw. deren etwas älteren Freundes hielten sich in dieser Zeit noch in Grenzen.

Dynamik in die Sache kam nun im Jahr 2006, als dieses neuerbaute Haus des öfteren observiert wurde. Dorfkinder wurden über die Hausbesitzer befragt, Bilder aus fahrenden Autos geschossen, mit Ferngläsern aus angrenzenden Wäldern überwacht. Ein weiterer Nachbar konnte dies beobachten.

Der Bruder, etwas aufgeschreckt, begann nun ein paar Informationen einzuziehen und konnte einen Berufskollegen ausfindig machen, der seinen "Schwager" kannte. Die Infos waren beunruhigend. Er begann sich für die Auffüllungen zu interessieren. Die Vermessung seiner Grenzsteine mit dem Maßband arlamierten die Häuslebauer so, dass sie einen Eiltrag zur Vermessung des Baugrundstücks beim Vermessungsamt stellten. 2 Tage später wurde vermessen und es stellte sich heraus, dass sich das Grundstück auf wunderbare Weise vergrößert hatte. Nun mußte die Schwester und ihr Freund die Auffüllung soweit zurückbauen, wie die Originalgrundstücksgröße maß.

Nun wurde noch bekannt, dass dieser "Schwager" in seiner Heimat überaus unbeliebt war, und zudem noch rechtskräftig mit einer anderen verheiratet ist. Er hatte als Einkäufer bei einem Autokonzern gearbeitet und Anfang 2006 überraschend das Arbeitsverhältnis beendet. Er behauptete er hätte verantwortlich gezeichnet für die Einrichtung neuer Fließbänder zur Produktion neuer Fahrzeugserien. Nun ist er angeblich Miteigentümer und Geschäftsführer einer polnischen Zulieferfirma mit einem Jahresgehalt von ca. 300.000 Euro und einer Dividende von jährlich 500.000 Euro.

Der Bau in meinem Dorf allerdings ruht seit einem Jahr. Das Bad und die Schlafräume sind nicht ausgebaut, einzig die Küche und die Garage sind fertig. Geschlafen wird im Keller, wo auch eine Dusche steht.

Wie dem auch sei, durch die Vermessung wurde auch die Baubehörde aufmerksam und mußte feststellen, dass die umfangreichen Auffüllungen nicht genehmigt waren und ausserdem die Abflussbedingungen des Niederschlagswasser in unverhältnismäßiger Weise die Nachbargrundstücke und Straße beinträchtigen. Die Verfüllung des Straßenentwässerungsgraben gefährdet überdies den Bestand der vorbeiführenden Straße. Ein nachträglich eingereichter Tekturplan wurde daher erwartungsgemäß abgelehnt.

Nun ist unser Heiratsschwindler im Dorf unterwegs und fotografiert in seinen Augen ungesetzliche Dinge und meldet sie beim jeweils zuständigen Amt. Bisher ohne Erfolg, bis auf eine Sache: In unserem Dorf gab es Mitte der Siebziger einen Großbrand. Damals wurde festgestellt, dass aufgrund der geringer Tiefe des Baches keine ungehinderte Löschwasserentnahme möglich ist. Darauf hin veranlasste die zuständige Behörde ein kleines Stauwehr, dass bei Bedarf der Wasserstand angehoben werden konnte. Bei den Hochwässern im Jahre 2002 wurde dieses Fundament ausgeschwemmt und teilweise zerstört. Da inzwischen eine solide Fernwasserversorgung besteht, wurde auf die Wiederinstandsetzung verzichtet. In Unkenntnis dieser Vorgänge brachte nun der ungeliebte Dorfbewohner mittels Bildnachweis das teilweise verbliebene Betonfundament zur Anzeige und bezichtigte den Hofeigentümer der illegalen Bauschuttentsorgung.

Der zuständige Sachbearbeiter nun stand vor dem Problem, den Schuldigen zu ermitteln:

Die Vorgehensweise wäre gewesen: Ein Gutachten zu erstellen, die Schadenshöhe zu ermitteln, den Schuldigen zur Kasse zu bitten.

Das 30 Kilo Betonfundament wurde von der Dorfgemeinschaft ganz unürokratisch geborgen und der Deponie zugeführt. Der zuständige Beamte konnte so ohne großen bürokratischen Aufwand die leidige Sache zu seiner Erleichterung zu den Akten legen.

Der Denunziator aber hat sich unbeliebt gemacht bei:

der Dorfgemeinschaft

der Gemeindeverwaltung

der Örtlichen Feuerwehr, obwohl sie ihm selbstlos geholfen hatte

bei den jeweils zuständigen Behörden.

 

Wie kann er da annehmen, dass sein Tekturplan genehmigt werden würde, wenn dieser auch nur einen Punkt von den rechtlichen Vorschriften und Verordungen abweicht?

 

Auf alle Fälle hat er heute wieder den ganzen Bachlauf ausgiebigst abgesucht und fotografiert. Man darf gespannt sein, wie die Sache weitergeht! Ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

 

 

26.3.07 00:34

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